Interessantes über die Burg Altena

Kein schöner Land - auf Burg Altena?

Zum 150. Todestag von Anton Wilhelm von Zuccalmaglio gen. Wilhelm von Waldbrühl (* 1803 Waldbröl, gestorben 1869 Nachrodt)

 

Jährlich gehen tausende von Besuchern der Burg Altena im oberen Burghof achtlos an ihm vorbei: Dem Grabstein des vor 150 Jahren am 23. März 1869 in Nachrodt verstorbenen Anton Wilhelm von Zuccalmaglio – dem Herausgeber mehrerer Volksliederbücher. In der 1840 veröffentlichten Sammlung „Deutsche Volkslieder“ findet sich unter der Nr. 274 das “Abendlied“, bekannter unter den drei ersten Worten des Liedes „Kein schöner Land“ (das Liederbuch befindet sich übrigens im Depot der Museen Burg Altena).
Ohne Zweifel ist „Kein schöner Land“ eines der traditionellen deutschen Volkslieder.
Ob Zuccalmaglio Melodie und/oder Text selbst verfasst oder dieses alte Liedgut nur gesammelt und veröffentlicht hat – wir wissen es nicht.
Zu seiner heutigen Popularität gelangte „Kein schöner Land“ allerdings erst fast 70 Jahre nach seiner Veröffentlichung. Bis dahin war es nur eines von unzählig vielen deutschen Volksliedern. 1909, also vor 110 Jahren erschien erstmals ein Liederbuch der Wandervogelbewegung, der „Zupfgeigenhansel“. Darin enthalten war auch „Kein schöner Land“, welches fortan zur „Hymne“ der Wandervögel wurde.
Dass sein Name bis heute untrennbar mit dem Abendlied verbunden sein wird, hätte sich der 1803 in Waldbröl geborene Anton Wilhelm von Zuccalmaglio sicher nicht vorstellen können. Als Reminiszenz an seine Herkunft aus dem Bergischen Land nannte er sich später Wilhelm vom Waldbrühl.
Nach dem Besuch eines Kölner Gymnasiums studierte Zuccalmaglio in Heidelberg Rechtswissenschaften. Allerdings arbeitete er später überwiegend als Privatlehrer, zuletzt bis 1866 bei der Familie Löbbecke auf Haus Nachrodt. Dort verstarb er anlässlich eines Privatbesuches 1869 im Alter von nur 66 Jahren.
Beerdigt wurde Zuccalmaglio auf dem kath. Friedhof in Altena. Dieser wurde 1935 wegen des dortigen Neubaus des inzwischen geschlossenen St. Vinzenz-Krankenhauses aufgegeben. Seinerzeit wurde die Grabstätte Zuccalmaglios vom Kreis Altena gepflegt, der auch Eigentümer der Burg Altena war. Um zumindest den beschrifteten Mittelteil vor der Zerstörung zu bewahren, wurde das seinerzeit imposante Grabmal zerlegt und schlussendlich auf Burg Altena verbracht. Heute ist der Märkische Kreis Eigentümer der Burg Altena und bewahrt Zuccalmaglio zu seinem 150. Todestag ein würdiges Gedenken.

Ausstellung „Verborgene Schätze – neu entdeckt“


Vom 3. Juli bis zum 18. September 2005 zeigte die Märkische Kulturstiftung in den Sonderausstellungsräumen auf der Burg Altena die Ausstellung „Verborgene Schätze – neu entdeckt“.

Wahrscheinlich jeder Mensch weiß, wie schwierig es ist, dem Alter zu trotzen. Doch nicht nur uns Menschen sieht man irgendwann das Alter an – es macht auch vor Museumsobjekten nicht halt. Ob an wertvollen Reisekutschen, kostbar verzierten Scherenstühlen oder Ritterrüstungen – an all diesen Exponaten hatte die Zeit Spuren hinterlassen. Teilweise waren die Objekte derart geschädigt, dass sie nicht mehr ausgestellt werden konnten und im Verborgenen, in den Museumsdepots, auf ihre Restaurierung warteten. Die Märkische Kulturstiftung Burg Altena setzt sich deshalb schon seit vielen Jahren intensiv für die Restaurierung von Kunstwerken der Museen Burg Altena und des Deutschen Drahtmuseums ein. In den letzten Jahren konnte die Stiftung schon zahlreichen Objekten helfen, die dringend sanierungsbedürftig waren. 

Doch was versteckt sich eigentlich hinter dem Begriff „Restaurierung“? Und warum ist sie so teuer? Die Ausstellung „Verborgene Schätze – neu entdeckt“ gab Antworten auf diese Fragen. Anhand von sieben ausgewählten Exponaten wurden die aufwendigen Restaurierungsarbeiten Schritt für Schritt erläutert. Mithilfe zahlreicher Fotos konnte der Besucher einen Vergleich des Zustandes vor und nach den Restaurierungsmaßnahmen anstellen. Die Ausstellung sollte jedoch nicht nur auf die Sanierungsarbeiten aufmerksam machen, sondern auch den Blick auf die Ursachen von Schäden an Museumsgütern lenken. Die Besucher konnten beispielweise mittels einer Computersimulation testen, welche Auswirkungen kleinste klimatische Veränderungen auf die Kunstwerke haben können.

Stellvertretend für die zahlreichen noch sanierungsbedürftigen Exponate wurde anhand einiger noch nicht restaurierter Objekte auch ganz bewusst auf Schäden hingewiesen, die es in Zukunft noch zu behandeln gilt. Denn der Zahn der Zeit nagt unerbittlich weiter, und auch durch die guten konservatorischen Bedingungen im Museum kann der Verfall der Kunstwerke nicht gänzlich aufgehalten werden.

Die Märkische Kulturstiftung wird sich daher auch in Zukunft für die Restaurierung einmaliger historischer Kunstwerke der Museen auf Burg Altena einsetzen.

Historischer Schockenzug

Manche Dinge muss man einfach am eigenen Leib erleben, um sie richtig zu begreifen. „Begreifen“ ist hierbei ganz wörtlich gemeint. Gerade Kinder müssen anfassen, ausprobieren und selber machen – im Museum ist genau das aber meistens verboten. Dabei würde auch Erwachsenen in der Praxis vieles klarer als in der bloßen Theorie.

Im Deutschen Drahtmuseum in Altena wird das „Mitmachen und Ausprobieren“ darum schon immer ganz groß geschrieben. An mehreren Stationen können die Besucher – ob jung oder alt – Experimente durchführen und Draht in seiner ganzen Vielfältigkeit erleben. Bis zum Sommer 2004 bot das Museum allerdings keine Möglichkeit, das beschwerliche Drahtziehen mit reiner Muskelkraft zu erproben. Die Märkische Kulturstiftung Burg Altena hat sich deshalb für den Bau eines funktionstüchtigen „Schockenzuges“ eingesetzt, der dauerhaft auf dem Vorhof des Deutschen Drahtmuseums installiert wurde. Pünktlich zum alljährlichen historischen Spiel mit dem Thema „Die Drahtzieher von Altena“ konnte der Nachbau eingeweiht werden und die Besucher erstmals selbst einen echten Schockenzug ausprobieren – mit Sicherheit ein unvergessliches Erlebnis.

Für dieses Projekt waren umfangreiche Arbeiten nötig: zunächst musste im Vorhof des Deutschen Drahtmuseums ein Betonfundament gegossen werden, in das die originalgetreue Nachbildung des mittelalterlichen Schockenzuges verankert werden konnte. Auch eine Dachkonstruktion musste errichtet werden, die den Schockenzug vor Wind und Wetter schützt.

Doch wie die ersten Besucherreaktionen bestätigen hat sich der Aufwand sicherlich gelohnt – das Drahtmuseum ist um eine bedeutende Attraktion reicher!

Das Schockenziehen


Bis ins 15. Jahrhundert hinein wurde Draht mit reiner Muskelkraft durch Zieheisen gezogen, um ihn auf die richtige Stärke zu bringen. Dies war ausgesprochen anstrengend und kräftezehrend für den Drahtzieher oder „Zöger“. Je dünner der Draht werden sollte, desto mehr Ziehvorgänge mussten erfolgen.

Ungefähr im Jahr 1360 wurde in Nürnberg das sogenannte „Schockenziehen“ erfunden, das auf dem Prinzip der Hebeltechnik basiert. Diese Technik wurde vor allem zur Herstellung groben Drahtes angewendet. Der Zöger saß hierbei auf einer Schaukel (auch „Schocke“ genannt), und konnte hierdurch sein gesamtes Körpergewicht nach hinten stemmen und so optimal zum Drahtziehen einsetzen. Die Schaukel wirkte wie ein langer Kraftarm und machte so die Kräfteübertragung auf den gezogenen Draht sehr viel wirkungsvoller. Dieser wurde mit einer Zange durch das feststehende Zieheisen gezogen. Vor dem nächsten Ziehvorgang durch ein kleineres Loch („Hol“) des Zieheisens musste der Drahtzieher die in den Draht eingedrückten Spuren der Zange mühsam ausfeilen oder abschaben.

Das Schockenziehen war ausgesprochen anstrengend und erlaubte nur geringe Produktionsmengen. Dementsprechend selten und teuer war auch der Draht.